Inflation

Könnte ein Kaugummi 10.000 Euro kosten?

Bild

Wenn die Inflation, also die Preissteigerung, extrem hoch wäre, dann würden sich die Preise für Produkte des täglichen Bedarfs dramatisch verteuern. So wird etwa in Venezuela im Jahr 2018 eine Inflation von bis zu 1 Million Prozent erwartet. Legt man das auf den Euro um, so würde eben ein Kaugummi, der am 1. Jänner noch einen Cent gekostet hat, am Ende des Jahres 10.000 Euro kosten. Die Hyperinflation der venezolanischen Währung Bolivar führte dazu, dass Spareinlagen vernichtet und Grundnahrungsmittel für breite Bevölkerungsschichten unerschwinglich wurden.

Österreich erlebte in den Jahren 1922/23 eine ähnliche Situation. Infolge der Auswirkungen des Ersten Weltkriegs verdoppelten sich die Preise im Schnitt alle vier Tage. Diese Situation konnte die Oesterreichische Nationalbank bewältigen, indem sie 1925 eine neue Währung, nämlich den Schilling, einführte.

Wer sorgt für stabile Preise?

Heute ist es die Hauptaufgabe von unabhängigen Zentralbanken, für stabile Preise zu sorgen und so Hyperinflation zu vermeiden. Der EZB-Rat, in dem Österreich durch den Gouverneur der OeNB vertreten ist, definiert Preisstabilität als eine am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessene jährliche Inflationsrate von unter, aber nahe 2 %.

Was ist Inflation und wie wird sie gemessen?

Die Inflationsrate ist die prozentuelle Veränderung des allgemeinen Preisniveaus im Vergleich zum Vorjahr. Sie wird anhand eines Warenkorbs, der von einem durchschnittlichen Haushalt in Österreich jährlich konsumiert wird, gemessen. Dieser enthält ca. 750 Güter und Dienstleistungen, deren Preise laufend erhoben werden.

Warum sind sinkende Preise nicht gut?

Aber auch das Gegenteil von Hyperinflation, nämlich sinkende Preise, auch Deflation genannt, ist schädlich für die Wirtschaft. Wenn alles immer billiger wird, verzögern sich Kaufentscheidungen und die Nachfrage der Konsumierenden bricht ein. Dies bedeutet, dass die Unternehmensgewinne sinken und die Unternehmen im schlimmsten Fall die Löhne senken müssen oder Entlassungen vornehmen. Dadurch sinkt die Kaufkraft der Bevölkerung, wodurch die Nachfrage weiter sinkt. Diese Entwicklung wird Deflationsspirale genannt und bewirkt einen anhaltenden Rückgang der Wirtschaftsleistung und der Preise. Prominentes Beispiel einer langanhaltenden Deflation ist Japan, aber auch in Ländern des Euroraums (u.a. Finnland, Griechenland, der Slowakei, Slowenien, Spanien und in Zypern) waren in den Jahren 2015 und 2016 deflationäre Tendenzen zu beobachten.

Deflationsspirale