Geldpolitik

Eurosystem leitet Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik ein

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Der EZB-Rat umfasst als oberstes Beschlussorgan neben dem EZB-Direktorium auch die Präsidenten der nationalen Zentralbanken der 19 Länder des Euroraums (also auch den Gouverneur der OeNB). Der EZB-Rat bewertet die wirtschaftliche und monetäre Entwicklung und fasst alle sechs Wochen seine geldpolitischen Beschlüsse.

Als die Finanzkrise 2008 auch den Euroraum erreichte, gestaltete der EZB-Rat seine Geldpolitik sehr locker. Er senkte die Leitzinsen auf 0 % und startete 2015 ein Wertpapierankaufprogramm, das bis Ende 2017 ein Volumen von 2.280 Mrd EUR erreichen wird. Dabei werden von der EZB Staatsanleihen, aber auch Unternehmensanleihen und andere Wertpapiere angekauft. Während der Leitzins die kurzfristigen Zinssätze im Finanzsystem beeinflusst, senkt das Ankaufprogramm die mittel- bis langfristigen Zinssätze. Damit reduziert die Geldpolitik im Euroraum die Finanzierungskosten von Banken und Unternehmen.

Geldpolitik betrifft uns alle

Wenn Banken günstig von der Zentralbank Geld bekommen, geben sie diese Kostenvorteile an ihre Kundinnen und Kunden weiter. Dementsprechend fielen die Kreditzinsen in Österreich in den letzten Jahren deutlich. Kostete ein Wohnbaukredit im Jahr 2008 im Durchschnitt etwas mehr als 5 % an Zinsen, so ging dieser Zinssatz bis 2017 auf unter 2 % zurück. Ganz ähnlich bei Unternehmenskrediten, deren durchschnittliche Zinsen heute bei 1,5 % liegen.

Das niedrige Zinsniveau belebt Konsum und Investitionen und trägt in der Folge zu einem höheren Wirtschaftswachstum und mehr Beschäftigung bei. Die Preise beginnen wieder moderat zu steigen, wie es einer gut gehenden Wirtschaft entspricht.

Langsamer Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik

Vor dem Hintergrund des aktuellen Konjunkturaufschwungs beschloss der EZB-Rat am 26. Oktober 2017, das Wertpapierankaufprogramm langsam zurückzufahren. Ab Jänner 2018 bis Ende September 2018 wird das Ankaufvolumen von monatlich 60 Mrd EUR auf 30 Mrd EUR reduziert. Wie es danach weitergehen wird, ist noch offen und hängt von der weiteren Entwicklung des Aufschwungs ab. Diese Entscheidung zeichnet den Weg eines langsamen Ausstiegs aus der sehr lockeren Geldpolitik vor, der zu einer Normalisierung der Finanzierungsbedingungen im Euroraum und damit auch in Österreich führen wird.