Das Bitcoin-System

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Man kann sich das Bitcoin-System wie einen virtuellen Automaten vorstellen, den eine unbekannte Person entworfen und im Jahr 2009 zur freien Benutzung ins Internet gestellt hat. Dieser Automat ist mit 21 Millionen selbst entworfenen Jetons gefüllt, die den Namen Bitcoin tragen. Alle zehn Minuten spuckt der Automat eine Teilmenge aus – so lange, bis der Vorrat im Jahr 2040 erschöpft ist.

Für seinen Betrieb braucht dieser Automat Energie. Diese erhält er von Freiwilligen, die Computerkapazität bereitstellen und übers Internet ein Netzwerk bilden. Sie machen das, um an neue Jetons zu kommen. Denn das Ausspucken von Jetons alle zehn Minuten erfolgt jeweils in Form einer Ausschreibung unter diesen Freiwilligen. Diesen Vorgang bezeichnet man als „Schürfen“ oder „Mining“.

Wer solche Jetons besitzt, bewahrt sie in einer Art anonymem Konto auf, auf das der Zugriff nur mit einem persönlichen Passwort möglich ist. Jetons können von einem Konto auf das andere überwiesen werden. Auf welchem Konto wie viele Jetons liegen, wird in einem digitalen Kontoverzeichnis („Blockchain“) für alle sichtbar festgehalten.

Bezahlen mit Bitcoin

Wer schon Bitcoin besitzt und eine Überweisung vom eigenen Konto machen will, schickt einen virtuellen Zahlschein ans Netzwerk. Ob der Zahlschein korrekt ausgefüllt wurde, wird von den Computern im Netzwerk überprüft. Diese Überprüfungstätigkeit ist die Teilnahmevoraussetzung für die im Zehn-Minuten-Abstand erfolgende Ausschreibung neuer Bitcoins. Nach erfolgter Prüfung schreibt jener Computer, der in der aktuellen Ausschreibung den Zuschlag erhalten hat, den Überweisungsbetrag dem Empfängerkonto gut. Das Kontoverzeichnis „Blockchain“ wird auf diese Weise alle zehn Minuten aktualisiert.

Dieses System überlebt, weil sich im Lauf der Zeit private Tauschbörsen gebildet haben, auf denen Leute bereit sind, echte Währung für Bitcoins zu zahlen. Der Kurs ergibt sich aus Angebot und Nachfrage und schwankt stark.

Bitcoin ist eine von vielen Kryptowährungen. Mit den üblichen Eigenschaften einer Währung (Zahlungsmittel, Recheneinheit und Wertaufbewahrungsfunktion) haben sie wenig zu tun. Zwar könnte man mit Bitcoin-Überweisungen für Güter und Leistungen bezahlen – einige Geschäfte akzeptieren Bitcoin-Zahlungen. Doch sofern jemand nicht um jeden Preis die Anonymität per Bitcoin-Zahlung sucht, wird das kaum jemand tun. Denn aufgrund der laufenden Wertschwankungen ist unsicher, ob man mit einer Zahlung heute nicht einen gewaltigen Kursanstieg morgen verpassen würde.

Bitcoin als Währung?

Offizielle Währungen haben eine von der ausgebenden Institution (z. B. Zentralbanken) garantierte mittelfristig stabile Kaufkraft. Zudem nehmen Zentralbanken eine Aufsichts- und Kontrollfunktion wahr. Bitcoin hat beides nicht und dient deshalb vorwiegend als Spekulationsobjekt für risikofreudige Anlegende. Anbietende von Diensten, wie Vermittlung, Aufbewahrung etc., sind bislang unbeaufsichtigt und entsprechend unsicher.